ARTENSCHUTZ

Straßenbau und Artenschutz

Umfangreiche Maßnahmen zum Naturschutz entlang der Ortsumgehung Vilshofen

Vilshofen entlasten, den Verkehrsfluss optimieren und dabei die Natur schützen! Dieser großen Herausforderung wird die neue Ortsumgehung mit einer umsichtigen Planung gerecht.

Seit 1992 wird in Bayern bei jedem Straßenbauprojekt streng darauf geachtet, die Streckenführung und die Baumaßnahmen mit den Bedürfnissen für die Tier- und Pflanzenwelt und deren Lebensraum in Einklang zu bringen.
Man spricht hier vom naturschutzrechtlichen Vermeidungsgebot. Wo immer dies nur eingeschränkt möglich ist, müssen neue Lebensräume für geschützte Tierarten angelegt werden. Zusammen mit geeigneten Schutzmaßnahmen wird so das Nebeneinander von Natur und Straßenverkehr gewährleistet.
Im konkreten Fall der Ortsumgehung Vilshofen wurde bereits in der Planungsphase ein Landschaftsarchitekturbüro beauftragt, die vom Bauamt entwickelten Varianten auf ihre Verträglichkeit mit den Belangen des Natur- und Artenschutzes zu überprüfen und zu vergleichen (Umweltverträglichkeitsstudie).

Für die ausgewählte Trasse erfolgten die Erstellung landschaftspflegerischer Begleitpläne zum Vorentwurf und zum Planfeststellungsentwurf . Sowohl Landschaftsarchitekten als auch Biologen gehörten zum Kreis der Bearbeiter.
Auf dieser Basis wurde schon vor der gerichtlichen Überprüfung des Planfeststellungsbeschlusses im Jahr 2015 mit vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen für die vom Bau der Ortsumgehung Vilshofen betroffenen geschützten Arten begonnen.

Dieses Naturschutz-Paket umfasste sowohl verschiedene Vermeidungs- und Schutzmaßnahmen für z.B. Fledermaus, Haselmaus, Zauneidechse, Dunklem Wiesenknopfameisenbläuling und Grubenlaufkäfer als auch ein exaktes begleitendes Monitoring, mit dem der Erfolg der einzelnen Maßnahmen überprüft wird.

Die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen sind exemplarisch für eine Vielzahl größerer und kleinerer Schutzprojekte, deren Wirksamkeit zum Teil bereits überprüft und dokumentiert wurde. Detaillierte Informationen zu den Maßnahmen und dem begleitenden Monitoring können Sie im Planfeststellungsbeschluss nachlesen.

Die Haselmausbrücke bei der Ortsumgehung Vilshofen
10 sachliche Antworten weshalb sie notwendig und richtig ist

Nachdem nun bald zwei Wochen in unterschiedlichen Medien und sozialen Netzwerken „Pro und Contra“ zur Haselmausbrücke ausgetauscht wurde, wollen wir die wichtigsten 10 Fragen und Antworten nochmals verständlich und kurz in Erinnerung rufen:

  1. Die Ortumgehung Vilshofen durchschneidet an verschiedenen Stellen bestehende Haselmauslebensräume und trennt diese.
  2. Nach dem Naturschutzgesetzen sind diese Trennungen, da sie nicht vermieden werden können, durch geeignete Maßnahmen zu Minimieren oder Auszugleichen.
  3. Heute, nach dem Straßenbau und der derzeitigen Errichtung des Wohngebietes durch einen privaten Investor, sind auf beiden Seiten der Straße noch Haselmauslebensräume vorhanden.
  4. Diese beidseitigen Lebensräume sind durch wirksame ökologische Maßnahmen zu erhalten und aufzuwerten. Die Haselmausbrücke ist zur Vernetzung der beiden Seiten daher notwendig.
  5. Bezogen auf die beiden Lebensräume beidseits der Straße steht die Haselmausbrücke an der richtigen Stelle. Diese Stelle wurde mit den Kompensationsmaßnahmen des Bauträgers abgestimmt.
  6. Mit der Haselmausbrücke betreten wir Neuland. Es gibt kein bisher vergleichbares Projekt als Anschauungsbeispiel. Es entsteht hier somit ein Pilotprojekt das mit den zu gewinnenden Erkenntnissen zum Nutzen für die Natur weiterentwickelt wird.
  7. Das Pilotprojekt Haselmausbrücke wird von externen Fachleuten begleitet, die das Staatliche Bauamt in der weiteren Entwicklung unterstützen.
  8. Bisher ist nur das Stahl-Gehäuse der Brücke, der Innenraum ausgefüllt mit Astwerk, errichtet. Die Gehölzpflanzungen um die Brücke erfolgen über den kommenden Winter bis April 2019.
  9. Da die Maus erst im Frühjahr wieder aktiv ist, ist dies nicht schädlich. Über die künftigen Gehölzpflanzungen kann die Maus die Brücke erreichen und die Straße sicher überqueren.
  10. Das Bauwerk kostet rund 100.000 Euro, das sind etwa 0,25 % der Gesamtkosten des Straßenbaus. Ein aus unserer, bauamtlicher Sicht, gesetzlich notwendiger Beitrag zum Erhalt des nach Artenschutzrecht hoch geschützten Tieres.

Kommentar des Staatlichen Bauamtes
zum Bericht BR24 vom 29.10.2018

Haselmausbrücke zur Vernetzung der beiden Lebensräume
nördlich und südlich
der Umgehungsstraße notwendig

Die Planung der Ortsumgehung von Vilshofen erfolgte unter zwingender Berücksichtigung der Belange von Naturschutz und Landschaftspflege im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens und einer vom Bund Naturschutz im Anschluss herbeigeführten Gerichtsentscheidung.

Die Haselmaus ist eine gefährdete Spezies und damit nach europäischem Recht und deutschem Recht (Bundesnaturschutzgesetz) streng geschützt.

Als Ergebnis einer gerichtlichen Auseinandersetzung (Klage) des Bund Naturschutz müssen zwei Haselmausüberquerungen im Zuge der Ortsumgehung errichtet werden (Urteil Bayerischer Verwaltungsgerichtshof 2015). Für ihre Planung wurden namhafte Experten vom Bauamt hinzugezogen, da für die Errichtung von Haselmausbrücken in Deutschland bislang keine einschlägigen Erfahrungen vorliegen. In der Schweiz, in England und in Japan wurden Haselmausbrücken bereits in ähnlicher Form realisiert.

Die Haselmausbrücken bei der Ortsumgehung Vilshofen dienen dem Zweck zwei Haselmauslebensräume im Süden und Norden der Umgehungsstraße miteinander zu vernetzen.

Zwischenzeitlich ist auf der Nordseite der Haselmausbrücke die Ausweisung eines Baugebietes durch einen externen Bauträger erfolgt, durch dortige Rodungsarbeiten wurde dieser Teil des Haselmauslebensraumes auf etwa die Hälfte reduziert. Das Staatliche Bauamt Passau hat daraufhin – noch vor der Errichtung der Haselmausbrücke – Rücksprache mit der straßenbaulichen Genehmigungsbehörde gehalten. Ergebnis war, dass die gerichtlich vom Bund Naturschutz eingeforderte Brücke nach wie vor zu errichten ist. Der Grund ist u.a., dass durch die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen des Staatlichen Bauamtes und auch des Bauträgers neue, zusätzliche Ausgleichsflächen für die Haselmaus auf beiden Seiten der Ortsumgehung entstehen.

Die Lebensräume beidseits der Ortsumgehung sind daher zwingend mit einer Haselmausbrücke zu vernetzen. Die Behauptung des Bund Naturschutzes, Frau Gillitzer, es gäbe keinen Grund mehr für eine Haselmausbrücke, stimmt folglich nicht.

Die Haselmaus befindet sich derzeit abseits der Straßenbaumaßnahme im Winterschlaf. Daher sieht das Planungskonzept vor, die bestehende Brücke und ihre Fundamente im Frühjahr 2019 mit Büschen, Bäumen und Schlingpflanzen zu bepflanzen und so die Verbindung zur bestehenden Vegetation herzustellen. Dies ist zeitlich auch ausreichend. Bis zum Frühjahr, wenn die Haselmäuse wieder aktiv werden, wird auch die Haselmausbrücke somit funktionsfähig sein.

Ob und in wie weit die Haselmaus dieses neuartige Bauwerk annehmen wird, wird durch ein Monitoring begleitet. Dadurch werden auch die Experten neue Erkenntnisse gewinnen, die dazu führen dieses Pilotprojekt Haselmausbrücke gegebenenfalls zu optimieren bzw. diese bei künftigen Projekten einzubringen.

Haselmaus

Der Lebensraum der Haselmaus befindet sich beiderseits der OU Vilshofen. Um der Haselmaus weiterhin die Nutzung ihres angestammten Lebensraumes zu ermöglichen, wird eine 18,30 m lange Haselmausbrücke mit mindestens 5 m Höhenunterschied zur Fahrbahn installiert, die den Tieren das gefahrlose Überqueren der OU Vilshofen ermöglicht.

Die Haselmausbrücke

Das Statische System und die Bauweise besteht aus einem eingespannten Rahmen mit waagrechtem Riegel und verschiedenen hohen senkrechten Stielen. Die Tragkonstruktion wird mit einem kaltverformten Blechträger aus Stahl hergestellt. (Bild 1)

Die Fundamente sind bereits erstellt und wurden in Ortbetonausführung mit hohem Frost-und Tausalzwiderstand , hohem Widerstand gegen starken chemischem Angriff und erforderlichem Anprallschutz entsprechend bewehrt. Die Riegel/Stiel-Verbindung wird mit einer HV-Schraubverbindung baulich umgesetzt. (Bild 2)

Der Querschnitt der gesamten Konstruktion (Riegel und Stiele) ist als U-Schale mit Wasserrinne ausgebildet und wird aus kaltverformten Stahlblechen gefertigt. Der Riegel erhält als obere Abdeckung eine im aufklappbaren und verriegelbaren Rahmen eingefasste, jedoch engmaschige (30 x 30) Drahtgitterfüllung. (Bild 3)

Dies trifft auch in ähnlicherweise auf die Ausführung der Stiele zu. Mit entsprechendem Füllmaterial aus Reisig und Bepflanzung wird der Weg für die Haselmaus in der Haselmausquerungshilfe geschaffen.

Als wirksame Maßnahme bei Zerschneidungen eines Haselmaushabitats durch Straßenbaumaßnahmen wird die mit einer Heckenstruktur bepflanzte Grünbrücke genannt. Mit einer jetzt vorgesehenen Konstruktion wird analog der Systemskizze der japanischen Haselmausquerungshilfe die Wirkungsweise  gewährleistet. (Bild 4)

 

17.9.2018 – Die Haselmausbrücke steht!

Das in Bayern einmalige Projekt der Haselmausbrücke über die Ortsumgehung Vilshofen steht. Die Gitterkörbe sind bereits mit Kletterhilfen aus Zweigen und Ästen für die kleinen Nager gefüllt. Demnächst werden neben den Ständern noch Bäume gepflanzt und eine Kletteranbindung zum Wald bzw. Buschwerk hergestellt, damit die Haselmäuse auf gewohntem Terrain die Ortsumgehung gefahrlos überqueren können.

(Bild: Wikipedia)
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Bild 1

Bild 3

Nistkästen für Haselmäuse. Aufgestellt vom Staatlichen Bauamt Passau.

Bild 2

Bild 4

Fledermäuse

Das Schutzkonzept für die Fledermäuse beinhaltet neben den o.g. Ausgleichsflächen das Installieren von Leit- und Schutzstrukturen in Form von speziell angepflanzten Hecken, Zaunanlagen und großzügig erweiterten Unterführungsbauwerken. Noch bevor also das erste Auto auf der neuen Umgehung fährt, lernen die Fledermäuse ihre neuen, ungefährlichen Flugrouten entlang der Leitstrukturen. Zusätzlich dient z.B. der Radwegdurchlass mit seiner neben dem Geh- und Radweg geplanten 4,5 m breiten Erdüberdeckung als Verbundstruktur für den schwarzen Grubenlaufkäfer. Da im Rahmen der Bauarbeiten Baumhöhlen entfernt werden müssen, werden diese vorab erfasst und umgesiedelt bzw. neue Baumhöhlen angelegt (s.o.). Durch ein begleitendes Monitoring wird der Erfolg dieser Maßnahme überprüft.

(Bild: Wikipedia)

Das rote „H“ auf diesem Baum neben der OU Vilshofen zeigt an, dass sich in diesem „Höhlenbaum“ Quartiere der Fledermäuse befinden.

Vom Radweg aus gesehen hat der Fledermausschutzzaun unterschiedliche Höhen. Das liegt daran, dass in diesem Streckenabschnitt die Fahrbahn ansteigt und der Zaun von der Fahrbahn aus gemessen immer einen Höhenunterschied
von 4 m oberhalb der Fahrbahn haben muss.

Die Leitstrukturen entlang der OU Vilshofen für die Fledermäuse: rechts der Fledermausschutzzaun, links eine in 2012/2013  gepflanzte Hecke als vorgezogene ökologische Ausgleichsmaßnahme (CEF-Maßnahme).

Der Fledermausschutztunnel im Anschlussbereich der OU Vilshofen.

(Bild: Wikipedia)

Zauneidechsen

Um die Population der Zauneidechsen im Bereich der Querung der Bahnstrecke Vilshofen – Bindham zu erhalten, wurden für die Reptilien geeignete Steinriegel als Fluchträume angelegt und Sandhaufen zur Eiablage geschaffen, die schon sehr bald von den Tieren als neuer Lebensraum angenommen wurden. Auch hier konnte durch Spezialisten nach kurzer Zeit festgestellt werden, dass die Zauneidechsen die Umsiedelungsaktion angenommen haben.

(Bild: Wikipedia)

Wiesenknopfameisenbläuling

Für den dunklen Wiesenknopfameisenbläuling wurde eine Extensivwiese angesät, die schon in der ersten Vegetationsperiode (2015/2016) gut angenommen wurde. Über den geschützten Schmetterling hinaus siedelten sich dort erfreulicherweise weitere, in diesem Gebiet ursprünglich nicht beheimatete Insekten und Schmetterlinge an. Über die Bewahrung des Bestandes hinaus konnte durch diese Maßnahme somit neuer wertvoller Lebensraum geschaffen und die Fauna bereichert werden.

(Bild: Wikipedia)

Schwarzer Grubenlaufkäfer

Um den Fortbestand des sehr seltenen Schwarzen Grubenlaufkäfers zu sichern, wurde im Geh- und Radwegtunnel an der Anschlussspange der Ortsumgehung eine spezielle, Querungsmöglichkeit  für den Schwarzen Grubenlaufkäfer geschaffen.
Im Tunnel wird eine 4,5 m breite Verbundstruktur mit Erdüberdeckung zwischen Widerlager und Radweg geschaffen. Durch die  Zufuhr von Wasser und das Einbringen von Totholz wird die Erdüberdeckung artgerecht gestaltet. Gegen den Radweg wird diese Verbundstruktur mit hohen Bordsteinen abgegrenzt.

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